Werbung in Podcasts

Mindestens einmal im Jahr werden Podcasts totgesagt und genauso häufig kann man lesen, dass sie jetzt Mainstream geworden sind. Ein Grund für die Verwirrung liegt darin, dass es weder zentrale Messverfahren noch Agenturen in Deutschland gibt, die sich darauf spezialisiert haben. Man weiß nicht einmal, wie viele Podcasts es in Deutschland überhaupt gibt und welche davon wie viele Hörer haben.

Und dennoch steigen in den USA die Werbeeinnahmen der großen Podcasts stark an. Immer mehr Firmen haben verstanden, das Podcastwerbung vielleicht nicht so viele Menschen erreicht wie im Radio, sie dafür aber gehört wird. Und dafür sind Firmen wie Stamps, ein Unternehmen das elektronische Briefmarken vertreibt, gerne bereit zu zahlen. Oftmals besteht die Werbung auch aus persönlichen Erfahrungen der Podcaster mit dem Produkt oder dem Service.

Auch wenn die Identifikation mit einer Marke größer bei Podasthörern ist und diese auch ein höheres Grundeinkommen haben – große Firmen tun sich noch schwer, so richtig in dem Medium einzusteigen, dass immerhin schon 14 Jahre alt ist. Außer von Audible, Mailchimp und dem genannten Briefmarken-Dient hört man kaum andere Werbungen. Und mancher Lieferservice aus dem Silicon Valley versucht sich zwar mit Spots, gibt aber immer noch mehr Geld in anderen Kanälen aus.

Die Werbefachzeitung W&V hat unlängst ihren Lesern geraten, in Podcasts zu investieren. Das Bürger-Radio zum Herunterladen. Immerhin bekommen die Top-Podcasts in Deutschland 80.000 Downloads pro Folge – das ist die Auflage einer großen regionalen Tageszeitung. Die besten Episoden gehen an die 300.000 Hörer Grenze, und da bewegt man sich schon in nennenswerten Regionen. Hinzu kommt, dass man Podcasthörer recht gut charakterisieren kann: Sie sind meistens Themenorientiert, bewegen sich in einem bestimmten Bildungs- und Einkommensspektrum. Wer Sportartikel verkauft, wird sich einen Sportpodcast aussuchen, und Spielehersteller werben erfolgreich in einem Gamer-Podcast. Werbeplätze gibt es genügend: Nur ein Viertel der Top 50 Podcasts haben überhaupt Werbung geschaltet. Potenzial ist also reichlich vorhanden.